WIR STREIKEN WEITER
Schulstreik
...Kampf für Bildung
...ist kein Widerspruch, sondern unser legitimes, letztes Mittel, die Bildung zu retten. Schulstreik heißt nicht in die Schule zu gehen, sondern auf die Straße, um zu zeigen dass man mit der Entwicklung in der Schule nicht einverstanden ist. Es bedeutet, dass man während der offiziellen Unterrichtszeit gegen die Regeln verstößt, um zu zeigen, dass man diese nicht akzeptiert. Das Kultusministerium wird direkt mit der Abwesenheit der SchülerInnen konfrontiert, im Gegensatz zu einer Demo, die sie gar nicht mitbekommen oder die sie nicht iInteressiert. Wir riskieren mit einem Streik natürlich Strafen, aber das sollte es uns wert sein. Was ist schon ein Verweis, wenn sich bald einige SchülerInnen überhaupt keine Bildung mehr leisten können? Wir SchülerInnen haben keine wirklichen demokratischen Mitbestimmungsrechte (die SMV darf nichts entscheiden, sie darf nur beraten) - der Streik ist unsere einzige Möglichkeit, aktiv die Politik zu verändern.
Streik wirkt
Dadurch, dass wir streiken, wird das Thema ???Kosten für Bildung??? in die öffentliche Diskussion gebracht. SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen haben durch den Schulstreik die Möglichkeit, sich gegen die, von der Regierung geplante, Kostenerhebung auf Bildung zu wehren. Neue Ideen, Kritik, Meinungen und klare Positionen bilden sich aus. Wenn die Kritik an Bildungsgebühren in der Bevölkerung wächst, wird der Druck auf die Regierung stärker. Diese ist im Moment besonders auf die öffentliche Meinung angewiesen, da der Wahlkampf bevorsteht. Die Regierung kann nicht mehr tun, was sie will - wir können kostenlose Bildung erkämpfen.
21.Juli 2005 in München: SCHULSTREIK FÜR DAS RECHT AUF BILDUNG
aus der Perspektive einer mitmachenden Schülermutter
Wer Bildung live erleben will, sollte zur Demo gehen. Das heißt, mit den Füßen abstimmen, gewaltfrei und basisdemokratisch. Mein Sohn zieht ein Flugblatt aus dem Ranzen und hält es mir hin: ???Da mach??? ich mit, auch wenn du es nicht erlaubst.??? Das Aktionsbündnis kostenlose Bildung ruft auf zum Schulstreik und fordert tatsächliche Lernmittelfreiheit, wirkliche Chancengleichheit, mehr Geld für Bildung, Bildung nach individuellen Fähigkeiten und beruft sich auf Bildung als ein Menschenrecht, um das es hierzulande wieder einmal zu kämpfen gilt. Ein Zitat von Bert Brecht orakelt: ???Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.???
Mutter-Frage Nr. 1: Von wem geht das aus? Das rot-schwarz-weiße Design der Website löst spontanes Magendrücken aus, aber der Inhalt erinnert mich an völlig andere Zeiten: ???Bildung für alle??? steht da, ???gegen Sozialabbau??? ??? also notiere ich mir die Marschroute.
Den durchaus nicht alltäglichen Widerstand GEGEN die Bildungsfinanzpolitik und FÜR kostenfreien Zugang zur Bildung unterstützt eine Mutter von vier Kindern verständlicherweise. Erinnerungen an den letzten Schulbeginn steigen hoch: Da hab ich für rund 50 Euro das Latein- und das Englischbuch im Laden gekauft, weil mir die lehrmittelfreien ???Bestände??? beim Einbinden zerfleddert auseinander fielen. Unzumutbar als Lernmaterial, zum Grausen. Ab September sollen wir pro Schuljahr pro Kind 40 Euro Leihgebühr berappen, hoffentlich dann aber für Bücher (nicht etwa kopierte Blätter), in denen mit Euro (nicht mehr mit DM!) gerechnet und ???dass??? mit ss anstatt mit ß geschrieben wird...
Mutter-Frage Nr. 2: Was sagt die Schule zu diesem Streik-Aufruf? Natürlich dürfen die Lehrer nicht mitmachen, obwohl die allermeisten die politische Brisanz längst erfasst und heftig zu spüren bekommen haben. Natürlich dürfen sie den Schülern nicht etwa nahe legen zu streiken und natürlich wollen sie den Bildungswiderstand nicht künstlich anheizen. Aber Eltern dürfen ihre Kinder (zumindest wenn sie schon fast 14 sind) selber entscheiden lassen, ob sie den Streik für sinnvoll halten. Wer regulär für sein Fernbleiben vom Unterricht entschuldigt ist, geht straflos aus, auch wenn er zum Schulstreik geht, sagt die freundliche Sekretärin. Ich nehme mir den Vormittag frei und gehe mit.
Wir stehen eine Viertelstunde früher auf als üblich, damit wir rechtzeitig am Versammlungs-ort sind. Um 8 Uhr stehen schon etliche Grüppchen von Schülerinnen und Schülern um den Uni-Brunnen herum, teils verschlafen, teils verlegen um sich blickend oder geschäftig drein schauend. Begrüßungsrituale und verhaltenes Grinsen über den gelungenen Streiktermin. Auf dem spärlichen Rasen, aus einem Biertragl ???frühstücken??? ein paar Paradiesvögel mit bunten Irokesenzacken, verwegenen Schriftzügen auf den Jeansjacken und kunstvoll-zerschlissen bestrumpften Beinen in klobigen Stiefeln. Daneben die T-Shirt-Fraktion, lang- oder kurzhaarig, gestylt oder natur, in Turnschuhen. Ein wenig skeptisch gemustert wird die anwesende Handvoll Erwachsener: Lehrer/-innen? Mütter? Spione? Mitten drin natürlich der Lautsprecherwagen und ein klappriger Schriftentisch. Außen herum ein paar grünbemützte polizeiliche Ordnungshüter, denn das ist hier eine ordentlich angemeldete Demo. Rote Fahnen und Transparente verkünden den Widerstand gegen die staatlich verordnete Einführung von Büchergeld, hinter dem die schleichende Einführung von Schulgeld vermutet wird.
Eingestimmt auf den mehrdeutigen Refrain: ???Bildung für alle ??? und zwar umsonst??? ziehen die ca. 500 Schulstreiker los; die halbe Breite der Leopoldstraße steht ihnen zur Verfügung. Situation und Schauplatz verdienen besondere Schilderung, wegen der Symbolik: Stadtauswärts, mit Blick aufs Siegestor (!), rechts am Prof. Huber Platz die Installation ???Strand???, ein mit feinem Sand aufgeschüttetes Areal, sorgsam eingezäunt, mit einladenden Liegestühlen in der Sonne ??? gegenüber, also links, eine Parolen skandierende Schüler/-innenschar. Dazwischen die Ludwigstraße, ein breiter anonymer Verkehrsstrom stadtein- und stadtauswärts, der die beiden Hälften voneinander trennt: Gespaltene Gesellschaft?
In allen Etagen recken sich hinter den Fenstern am Straßenrand die Köpfe. ???Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!??? schallt es ihnen unternehmungslustig entgegen; wilde Punkrock-Musik untermalt den bildungswütigen Marsch. In der Franz-Joseph-Straße zeigt uns eine seriöse Anwohnerin den Vogel ??? Bildungsnotstand aller Orten.
Am Gisela-Gymnasium springen doch glatt ein paar Schulflüchtlinge aus dem Erdgeschossfenster und schließen sich der Demo an. In der Agnesstraße zückt eine Postlerin die Kamera und hält die Sensation für die Nachwelt fest.
Mit ???Edmund Stoiber, Bildungsräuber!??? bringen wir den Verkehr in der Schleißheimer Straße zum Stillstand. Den kopfschüttelnden BMW-Verkäufern am Stiglmairplatz rufen wir zu: ???Wir möchten auch mal so ein Auto fahren! Bildung für alle, sonst gibt???s Krawalle!??? Auf einmal kniet vor mir eine lederberockte, kettenbewehrte Kämpferin und schreibt die Beschwörungsformel ???Bildung für alle!??? mit weißer Kreide mitten auf die Dachauer Straße. Bevor es in die vornehme Briennerstraße geht, eine kurze Rast mitten auf der Fahrbahn. Die Polizei-Eskorte bleibt gelassen aber wachsam: als ein Spaßvogel seinen Irokesenkamm in ein offenes Autofenster auf der Gegenfahrbahn steckt, wird er rasch in den Demonstrationszug zurück geschoben.
Am Königsplatz und Karolinenplatz bleiben die Passanten stehen und mokieren sich über die ???grenzwertigen??? Lieder, die da so am Rande abgesungen werden. ???Na, die haben???s wahrhaftig nötig, für Bildung auf die Straße zu gehen???, giftelt einer.
Allmählich stellen sich Ermüdungserscheinungen ein; es geht auf Mittag zu und die Sonne meint???s gut. Als die Straßenkreuzung zur Lagerstätte wird, kommt Unruhe bei den Polizisten auf. Es braucht etwas Überzeugungsgeschick von Seiten der Streikleitung, um die Bildungskampfgenoss/-innen zum Weitergehen zu bewegen. Auf der Ludwigstraße aber steigern wir uns noch einmal zu einem glanzvollen Finale. Zwar verharren die ehrwürdigen steinernen Gelehrten vor der Staatsbibliothek in stoischer Ruhe, als sie unser ???Bildung für alle, sonst gibt???s Krawalle!??? entgegengeschleudert bekommen; den Lebendigen aber sollte diese Botschaft wie ein Menetekel in den Ohren klingen. Wer es nicht ernst nimmt, braucht sich über Verluste am Ende nicht zu wundern.
Am Geschwister Scholl Platz, dem Anfang und Ziel des Widerstands schließt sich der Kreis. Eltern und Pädagogen können zufrieden sein: Bildung wirkt; der Vormittag war gebührenfrei, aber keineswegs umsonst! Herzlichen Dank und allen Respekt dem Organisations-Team.
Margit Huber
Warum Schulstreik?
Jojo und Alex sitzen im E-Garten. Jojo entdeckt einen AKB-Flyer in seiner Hosentasche:
- Jojo: Hey warst du eigentlich am 18.3 dabei?
- Alex: Wo? Was war da?
- Jojo: Der Schulstreik gegen Büchergeld und Studiengebühren. Ist voll abgegangen, es waren über 2500 Schüler da. Und wir haben's den Politikern mal richtig gezeigt.
- Alex: Also ich weiss nicht, ob Schulstreik so das Richtige ist. Man wirkt doch viel glaubhafter, wenn man am Nachmittag in seiner Freizeit demonstiert.
- Jojo: Aber durch einen Schulstreik erregst du viel mehr Aufsehen in den Medien und in der Öffentlichkeit. Darum geht es doch, dass die Leute mitkriegen was in den Schulen abgeht, und die Politiker deswegen handeln müssen damit sie ihr Image behalten. Außerdem sieht der Staat dann mal das wir uns nicht alles gefallen lassen!
- Alex: Du kannst doch auch am Nachmittag Aufsehen erregen.
- Jojo: Nein, nicht so viel. Demos sind wichtig, aber sie setzen momentan kein eindeutiges Zeichen. Bei einem Streik zeigt man Ungehorsam gegenüber der Regierung. Dadurch, dass wir Strafen riskieren zeigen wir, dass kostenlose Bildung echt wichtig für uns ist und wir bereit sind dafür zu kämpfen. Das macht dem Staat Angst.
- Alex: Glaubst du echt der Staat hat Angst vor den paar Schülern, die keinen Bock auf Schule haben und einen Tag einfach schwänzen?
- Jojo: Wenn wir, Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten, gemeinsam handeln, können wir wirklich etwas erreichen, denn wir sind die arbeitenden von morgen, die jetzt schon das Streiken anfangen. Von "null Bock" kann außerdem nicht die Rede sein. Es waren über 2500 Schüler auf der Demo, die hätten ja auch nach Hause gehen können. Wir haben außerdem viel länger demonstriert, als die Schule gedauert hätte. Und wenn jemand nur schwänzen will, dann tut er das sicher nicht an so einem Tag, wo er Strafen riskiert.
- Alex: Was gab's denn für Strafen? Da kriegt man doch bestimmt ziemlich Stress.
- Jojo: Ach Schmarrn. Es gab ein paar Verweise und an den meisten Schulen mussten die Leute nur einen Aufsatz schreiben, warum sie da waren, manche mussten auch nachsitzen, oder es gab einfach nichts. Aber ich finde das passt sich alles, weil wir für unser Recht gekämpft haben, dass sie uns nehmen wollen. Ist doch klar, dass das Kultusministerium, das das Büchergeld plant, unseren Protest dagegen verhindern will. Schon krass, zuerst wollen sie uns bestehlen, dann machen sie Stress, wenn wir uns wehren
- Alex: Ja schon. Aber ihr streikt für kostenlose Bildung und geht aber gleichzeitig nicht in die Schule - ist doch unlogisch, oder?
- Jojo: Nein, eben nicht. Erstmal ist die Schule der Punkt, wo Büchergeld eingeführt werden soll, also müssen wir genau da etwas tun. Wir müssen Zeichen setzten. Die Arbeiter streiken ja auch, wenn ihr Lohn gekürzt werden soll, und keiner sagt: „die wollen nicht arbeiten“. Noch ist die Schule kostenlos, bald nicht mehr. Und als Schüler haben wir auch echt keine andere Möglichkeit, wir dürfen noch nicht mal wählen. Außerdem sollte man mal darüber Nachdenken, wenn Schüler schwänzen, kann etwas mit der Schule nicht in Ordnung sein. Und um dies zu ändern, setzen sie sich ja für bessere Bildung ein, indem sie streiken.
- Alex: Aber es gibt doch die Landes Schüler Vertretung.
- Jojo: Die ist nicht mal offiziell anerkannt und hat kein Mitspracherecht. Eine 2/3 Mehrheit der CSU muss man mit krasseren Mitteln bekämpfen.
- Alex: Und glaubt ihr, ihr habt jetzt irgendwas erreicht?
- Jojo: Na klar, wir haben uns mal angefangen zu wehren. Das war auch erst der Anfang, wir werden wieder streiken, bis wir Erfolg haben. Wenn wir zusammen halten können wir echt was erreichen! In Frankreich streiken schon seit Wochen hunderttausende von Schülern und haben bereits die Oberstufen Reform verhindert.
- Alex: Krass, wusst ich gar nicht.
- Jojo: Ja, und Büchergeld & Studiengebühren gehen uns echt alle was an, egal ob Gymnasiast, Haupt- oder Realschüler. Und Streik ist im Moment echt das sinnvollste Mittel !
- Alex: Das sind eigentlich schon gute Argumente.
- Jojo: Also seh ich dich dann beim nächsten mal ?
- Alex: Ich denk mal drüber nach.
„Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!”Bertolt Brecht
Schulstreik
- gegen Studiengebühren und für den Erhalt der Lernmittelfreiheit
- kostenlose Bildung für alle!
SCHULSTREIK 18.3. in München
Um gegen Büchergeld, die Abschaffung der Lernmittelfreiheit und Studiengebühren zu demonstrieren, organisierte das Aktionsbündnis für kostenlose Bildung einen Schulstreik!
Anstatt in die Schule zu gehen, machten sich die Münchner Schüler am 18.03.2005 zum Bonner Platz (U3) auf, um dort ihrem Ärger über die Bayrische Bildungs-Spar-Politik Luft zu machen. Der Protest startete ab 8:00 Uhr und wurde von verschiedenen Rock- und Punk-Bands unterstützt, die für Stimmung sorgten. Außerdem wurden weitere, sehr kreative Aktionen durchgeführt, wie zum Beispiel die versuchte Stürmung einer Schule. Insgesamt herschte schöne kämpferische Stimmung
Stellungnahmen statt Verweise!
Am Willi Graf Gymnasium München war vom Direktorat ursprünglich geplant, den streikenden SchülerInnen Verweise zu geben. Die SMV schrieb einen Brief mit der Bitte von Verweisen abzusehen und stattdessen Stellungnahen zum Streik schreiben zu lassen, und lieferte gleich ein paar Aufsätze von SchülerInnen als Kostprobe. Der Vorschlag wurde angenommen ???keine Verwise, sondern Stellungnahmen! Hier zeigt sich, dass man einfach immerwieder fordern muss, was man will, sonst bekommt man es nicht. Hier sind einige der Stellungnahmen:
->Stellungnahme zum Schulstreik am 18.3.
???Am 18.3. ging ich zum Schulstreik um mit den anderen Schülern zu zeigen, dass wir gegen Büchergeld sind. Ein Schulstreik ist das einzig effektive Mittel um Druck auf den Staat auszuüben. Man verbringt 13 Jahre fünf Tage die Woche den halben Tag in der Schule, also einen großen Teil seines Lebens. Geht man Nachmittags auf eine Demo ist das etwas normales und wird nicht groß beachtet, aber ein Schulstreik erregt viel mehr Aufsehen. Uns ging es nicht darum kein Unterricht zu haben, im Gegenteil, wir setzen uns für Bildung ein, aber für kostenlose. Es wäre schlimm mit anzusehen, wie es nur noch Bonzen gewährt ist zur Schule zu gehen, weil deren Eltern genügend Geld haben. So entstehen soziale Benachteiligungen und es ist nicht mehr wichtig, ob man Intelligent oder wirklich an Bildung interessiert ist, sondern nur noch wie groß der Geldbeutel ist.
Damit Sie einen kleinen Eindruck vom Schulstreik bekommen, schildere ich Ihnen den Ablauf: Nach der dritten Stunde ging ich aus der Schule zu den anderen Streikenden und kurz darauf setzte sich der Zug in Bewegung. Wir gingen durch Schwabing in Richtung Münchner Freiheit und machten dort einen Stopp, wo jeder seine Meinung zu Büchergeld abgeben konnte. Darauf gingen wir über die Leopoldstraße zum Geschwister Scholl Platz, wo wir alle auf die Studenten warteten. Wir demonstrierten länger als die Schule gedauert hätte, was ein Beweis ist, dass es uns wirklich darum geht Büchergeld und Studiengebühren zu verhindern.???
Schüler, 14
???Am 18.3.2005 nahm ich und (laut SZ) 2500 andere SchülerInnen am Schulstreik gegen Büchergeld teil.
Ich denke, dass die Aufhebung der Lernmittelfreiheit der erste Schritt zurück in Richtung einer Klassengesellschaft ist, in der sich nur noch reiche Familien leisten können ihre Kinder länger als nötig in die Schule zu schicken. Meiner Meinung nach ist es nicht ausreichend dagegen nur zu demonstrieren, da ein Schulstreik mehr Aufsehen erregt und die Regierung unter Zugzwang setzt.
Ich finde, dass es falsch wäre, die Schüler, die durch den Streik ihre Zivilcourage bewiesen haben mit Verweisen oder ähnlichen Sanktionen zu bestrafen.
Die Mehrzahl der teinehmenden Schüler gingen zu diesem Streik nicht um den Unterricht zu umgehen, sondern um für eine bessere Bildungspolitik und gegen Büchergeld zu demonstrieren, was meiner Meinung nach die Grundrechte der Schüler sind.???
Schülerin, 15
???Die bayerische Landesregierung plant, ab nächstem Schuljahr Büchergeld in Höhe von 40 Euro (für uns Schüler einer weiterführenden Schule), sowie Studiengebühren in Höhe von ca. 500 Euro einzuführen.
Meiner Meinung nach ist diese Maßnahme einseitig und wid zur Folge haben, dass so genannte ???bildungsferne Schichten??? das Menschenrecht auf Bildung mit noch größeren Schwierigkeiten wahrnehmen können, als es heute schon der Fall ist. Da Bildung für alle Menschen, gleich welcher sozialen Schicht sie entstammen, gleich gut zugänglich sein sollte, engagiere ich mich gegen diese ??? in meinen Augen ungerechte ??? ???Anti-Bildungs???-Politik. Zu diesem ???Entgegensetzen??? gehört für mich in diesem Fall ??? neben anderen kleinen Aktionen sowie Demonstrationen, die außerhalb der Schule stattfinden ??? auch ein Schulstreik, der unsere Interessen demonstriert.
Ein Schulstreik ist deswegen wichtig, weil er ein Mittel darstellt, Aufmerksamkeit zu erregen, zu zeigen, dass im Bildungswesen etwas so sehr falsch läuft, dass über 1000 SchülerInnen (laut Presseberichten) es für wichtig halten, auf die Straße statt in die Schule zu gehen. Es ist jedoch nicht so, dass wir ein Haufen von ???Schulschwänzern??? sind, da die Schüler, die sich nicht für das Thema des Streiks interessieren, meist nicht das Risiko möglicher Konsequenzen für ein wenig schulfreie Zeit riskieren.
Außerdem hat die Vergangenheit gezeigt, dass ein Schulstreik etwas aufhalten sowie verändern kann: 1987 zum Beispiel erreichten 9000 während der Unterrichtszeit demonstrierenden SchülerInnen, dass eine geplante Schulzeitverkürzung nicht umgesetzt wurde.
Der Schulstreik ist das stärkste politische Mittel von uns SchülerInnen. Wenn es die politischen Verhältnisse erfordern, wenden wir es an. Es ist wichtig, Büchergeld und Studiengebühren zu verhindern, deshalb fand ich es ebenfalls wichtig, am Streik gegen diese Maßnahmen teilzunehmen.???
Schülerin, 18
???Am 18.3.05 war auch ich auf dem Schulstreik gegen das Büchergeld und die Studiengebühren. Bevor ich einige meiner Gründe nenne, möchte ich sie, Frau Sauer-Dietl, zitieren, und zwar bei ihrem Vorstellungsgespräch in meiner Klasse: ???Nützt eure Chance auf Bildung!???
40 Euro pro Jahr sind zwas nicht viel, aber wo führt das hin? Ich befürchte, dass das Lernen immer teurer wird, es darf nicht so weit kommen, dass nur noch die Reichen eine Hohe und gute Schulbildung erlangen können. Für mich macht es evtl keinen großen Unterschied, doch ich denke ebenfalls an jüngere Schüler, auch an nachfolgende Generationen. Die Lernmittelfreiheit wurde eben deshalb eingeführt, doch auch um gute Arbeiter Auszubilden. Wie sollen wir ohne gute Bildung eine Arbeitsstelle finden, die einem genügend Lohn gibt um eine Familie zu ernähren, wenn dann noch ein hohes Büchergeld und eine hohe Studiengebühr zu bezahlen ist? Die Armen werden immer ärmer. Unter anderem ging ich deshalb auf den Schulstreik.???
Schüler, 17
???Ich schreibe diesen Brief, um meine Beweggründe zur Teilnahme am Schulstreik für kostenlose Bildung am 18.3.05 darzulegen und um Ihnen mitzuteilen, dass ich eine Bestrafung für keineswegs angebracht halte.
Die derzeitige Bildungspolitik weist in eine extrem unsoziale Richtung. Ob Büchergeld oder Studiengebühren, diese Maßnahmen verhindern kostenlose Bildung und damit die Möglichkeit sich frei zu bilden, für junge Menschen aus allen Bevölkerungsschichten.
Ich denke, es ist wichtig und notwendig, so viel wie möglich zu tun, um immer höhere Kürzungen in der Bildung zu verhindern und deutlich zu machen, dass man nicht damit einverstanden ist und nicht gewillt ist tatenlos zuzusehen.
Natürlich sind die, die diese Verantwortung tragen in erster Linie die, die betroffen sind: Wir Schülerinnen und Schüler.
Ich habe mich, genau wie die anderen Streikenden auch, um 14.00 Uhr der Studentendemonstration angeschlossen, was zeigt, dass es mir und uns nicht darum ging, Scule zu schwänzen, sondern darum, etwas zu bewirken.
An unserer Schule wird politisches Engagement immer wieder gelobt und ich sehe keinen Grund dazu, eben dieses bei und Schülerinnen und Schülern zu bestrafen.
Ich hoffe, Sie sehen von schulischen Maßnahmen ab.???
Schüler, 18
"Da ab kommenden Jahr Büchergeld in Höhe von 40 Euro pro Jahr und Studiengebühren von über 500 Euro pro Semester eingeführt werden sollen, fand am Freitag, den 18.3.05 ein Schulstreik für kostenlose Bildung statt.
Natürlich erscheint es auf den ersten Blick ziehmlich wiedersprüchlich für kostenlose Bildung auf die Straße zu gehen, aber gleichzeitig das noch kostenlose Bildungsangebot zu verweigern.
Ich habe mir folgende Gedanken dazu gemacht:
Erstmal ist die Schule der Ort, an dem das Büchergeld eingeführt werden soll. Deshalb ist es wichtig mit dem Protest an der Schule anzusetzen. Die Konfrontation mit einem Schulstreik hat die Wirkung, dass sich jeder Schüler mit dem Thema Büchergeld und Studiengebühren außeinandersetzen muss, allein deshalb halte ich eine solche Aktion für sinnvoll.
Außerdem geht es darum möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen. Demonstrationen sind normal und alltäglich und werden deshalb nicht sonderlich beachtet. Schulstreiks hingegen sind eine Ausnahme und deshalb schlagen sie auch viel höhere Wellen. Das Kultusministerium wird sich wahrscheinlich eher mit der Meinung von uns Schülern befassen, wenn sie hört, dass 1500-2500 Schüler gestreikt haben, als wenn die selbe Anzahl am Nachmittag demonstriert hat.
Ich finde es wichtig, dass wir unsere Meinung laut und deutlich äußern und dazu ist ein Streik für eine sinnvolle Sache eine legitime Maßnahme. Was noch hinzukommt, ist die Tatsache, dass der 18.3. der letzte Tag vor den Osterferien war, an dem in der Regel nicht mehr viel Stoff durchgenommen wird, sondern Osterfrühstücke abgehalten werden, und der Unterricht sowieso vorzeitig beendet wurde. Ich habe meine Zeit lieber damit verbracht für unser Recht einzustehen anstatt relativ unnütz in der Schule zu sitzen.
Uns wird oft vorgeworfen, wir wollten nur Schuleschwänzen. Aber wenn es mir wirklich darum ginge zu schwänzen, dann würde ich es nicht an so einem riskanten Tag tun.
Alles in allem fand ich die Demonstration sehr gelungen, weil sich viele Schüler beteiligt haben (laut SZ 2500), und nicht einfach nach Hause gegangen sind, wie öfters behauptet wird.
Ich werde mich auch weiterhin an Schulstreiks beteiligen, weil es das stärkste Mittel ist, das wir Schüler zur Verfügung haben."
Schülerin, 15

